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Die kleine Wertstoffkunde

Was steckt eigentlich in alten Elektrogeräten, abgenutzten Möbeln oder leeren Batterien? Und warum lohnt sich das Sammeln und Sortieren wirklich? Diese Übersicht ordnet die wichtigsten Wertstoffe: von reinen Elementen aus dem Periodensystem bis zu Verbundmaterialien, mit Richtwerten für den Rohstoffmarkt.

Hinweis zu den Marktpreisen
Die angegebenen Preisspannen sind Richtwerte auf Basis der Londoner Metallbörse (LME) und des bvse-Preisbarometers (Stand: Q1 2025). Rohstoffpreise sind starken Schwankungen unterworfen: Lithium etwa kostete 2022 zeitweise das Siebenfache des heutigen Preises. Aktuelle Notierungen finden sich auf den verlinkten Börsenplattformen.

Metallelemente

Metalle sind die wertvollsten und am besten recycelbaren Rohstoffe. Sie können nahezu verlustfrei eingeschmolzen und wiederverwendet werden, ohne Qualitätsverlust und ohne die aufwendige Primärgewinnung aus Erzen.

Aluminium (Al, Ordnungszahl 13, Gruppe 13)

Aluminium ist das dritthäufigste Element der Erdkruste und gehört zur Borgruppe des Periodensystems. Die Primärgewinnung aus dem Erz Bauxit ist extrem energieintensiv. Das Recycling dagegen verbraucht nur 5 % dieser Energie: Einschmelzen, Legieren, fertig. Getränkedosen, Fensterrahmen, Alufolie und Fahrzeugkarosserien enthalten erhebliche Mengen. In Deutschland werden über 90 % des Aluminiums aus dem Baubereich zurückgewonnen.

Primärpreis: 2.200-2.600 €/t | Schrottpreis: 1.000-1.400 €/t

Eisen und Stahl (Fe, Ordnungszahl 26, Gruppe 8)

Eisen ist das häufigste Schwermetall der Erde und Grundlage für Stahl, eine Eisen-Kohlenstoff-Legierung. Mit rund 80 % Recyclingquote ist Stahl das weltweit meistrecycelte Material. Die automatische Sortierung aus Mischabfällen erfolgt per Magnet. Eisenschrott spart gegenüber der Erzaufbereitung bis zu 74 % Energie und 58 % Wasser pro Tonne.

Stahlschrottpreis: 300-450 €/t

Kupfer (Cu, Ordnungszahl 29, Gruppe 11)

Kupfer ist ein hervorragender Elektrizitätsleiter und daher in jedem Kabel, Motor und Elektrogerät vorhanden. Das Recycling verbraucht nur 15-20 % der Energie der Primärgewinnung. Wegen seines hohen Wertes ist Kupferschrott besonders diebstahlgefährdet; der illegale Handel mit Kupferkabeln ist ein europaweites Problem.

Primärpreis: 8.500-9.500 €/t | Kupferschrott: 6.000-7.500 €/t

Blei (Pb, Ordnungszahl 82, Gruppe 14)

Blei ist toxisch, aber nahezu vollständig recycelbar: 99 % des Bleis in neuen Starterbatterien stammt aus Altbatterien. Der geschlossene Kreislauf ist einer der Gründe, warum Bleiakkumulatoren trotz ihrer Toxizität weiterhin produziert werden. Bleiverbindungen sind wasserlöslich und dürfen keinesfalls in den Hausmüll.

Bleipreis: 1.900-2.200 €/t

Nickel (Ni, Ordnungszahl 28, Gruppe 10)

Nickel ist unverzichtbar für Edelstahl und neuere Batterietechnologien (NMC, NCA). Die EU hat Nickel als kritischen Rohstoff eingestuft. Der Marktpreis ist stark volatil: Er halbierte sich zwischen 2022 und 2024 und schwankt mit der Nachfrage aus der Batterie- und Stahlindustrie.

Nickelpreis: 14.000-18.000 €/t

Lithium (Li, Ordnungszahl 3, Gruppe 1)

Lithium ist das leichteste feste Element des Periodensystems und der Schlüsselrohstoff der Energiewende: Ohne Lithium keine Lithium-Ionen-Akkus in Smartphones, E-Bikes und Elektroautos. Der Marktpreis kollabierte 2023-2024 nach einem extremen Hochpunkt: 2022 wurde Lithiumcarbonat für bis zu 80.000 €/t gehandelt. Hydrometallurgische Recyclingverfahren ermöglichen heute die Rückgewinnung von bis zu 95 %.

Lithiumcarbonat: 10.000-15.000 €/t (2022-Hoch: bis 80.000 €/t)

Kobalt (Co, Ordnungszahl 27, Gruppe 9)

Kobalt ist ein co-kritischer Rohstoff und Kathodenmaterial in Lithium-Ionen-Akkus. Mehr als 60 % der globalen Kobaltproduktion stammt aus der Demokratischen Republik Kongo, oft unter problematischen sozialen Bedingungen. Das Recycling aus Altbatterien reduziert diese Abhängigkeit erheblich und ist einer der stärksten Hebel für eine nachhaltigere Elektronikindustrie.

Kobaltpreis: 25.000-35.000 €/t

Mangan (Mn, Ordnungszahl 25, Gruppe 7)

Mangan ist ein unverzichtbarer Legierungsstoff für Stahl und findet sich zunehmend in Batteriekathoden (LMFP, Mangan-reiche NMC). Etwa 90 % der globalen Manganproduktion fließt in die Stahlherstellung. Mit dem Wachstum manganreicher Batteriechemien steigt das Recyclingpotenzial.

Manganerzpreis: 1.700-2.200 €/t

Gold und Silber (Au / Ag, Spuren in Elektronik)

Moderne Leiterplatten enthalten geringe, aber wertvolle Mengen an Gold (Au, Ordnungszahl 79) und Silber (Ag, Ordnungszahl 47). Eine Tonne Mobiltelefone enthält mehr Gold als eine Tonne Golderz. Das sogenannte Urban Mining, die Rückgewinnung von Metallen aus Elektroschrott, ist daher wirtschaftlich attraktiv und ein wachsendes Geschäftsfeld.

Gold: 55.000-65.000 €/kg | Silber: 800-1.000 €/kg

Kohlenstoffbasierte Materialien

Aktivkohle (C, Ordnungszahl 6, Gruppe 14)

Kohlenstoff tritt als technischer Rohstoff in Form von Graphit, Aktivkohle und Kohlefaser auf. Verbrauchte Aktivkohlefilter können durch Erhitzung mehrfach regeneriert werden. Bei erschöpfter Regenerierbarkeit werden sie als Energieträger in der Zementindustrie genutzt. Graphit ist zudem ein kritischer Rohstoff für Lithium-Ionen-Batterien. Die Entsorgung von Aktivkohlefiltern im Hausmüll ist nicht zulässig, da sie gebundene Schadstoffe enthalten.

Aktivkohlepreis: 500-2.000 €/t (je nach Qualität und Aktivierungsgrad)

Technische Verbindungen

Glas (SiO2-Basis)

Glas besteht hauptsächlich aus Siliziumdioxid (SiO2) zusammen mit Natriumcarbonat und Kalk. Es ist nahezu unbegrenzt recycelbar, da das Einschmelzen keine Qualitätsverluste erzeugt. Deutschland erreicht eine Glasrecycling-Quote von über 83 %, eine der höchsten in Europa. Jede Tonne Recyclingglas ersetzt rund 1,2 Tonnen Primärrohstoffe und spart bis zu 26 % Energie. Wichtig vor der Abgabe: Farbtrennung in Weiß, Braun und Grün.

Altglasankaufspreis: 30-70 €/t (kann bei starker Verunreinigung negativ werden)

PVC (Polyvinylchlorid, -CH2-CHCl-)

PVC ist der dritthäufigste Kunststoff weltweit und enthält Chlor sowie oft Phthalat-Weichmacher. Das mechanische Recycling ist möglich, aber aufwendig. PVC darf keinesfalls verbrannt werden, da dabei Chlorwasserstoff und potenziell Dioxine entstehen. Das Rücknahmenetz Recovinyl organisiert das Recycling von PVC-Bauprodukten in Europa.

Recycling-PVC-Preis: 100-300 €/t

Kunststoff-Fraktionen

Kunststoffe sind chemisch sehr unterschiedlich und haben verschiedene Recyclingpfade. Die Einordnung der Recyclingfähigkeit folgt dem Recycling-Code (Dreiecks-Symbol mit Zahl auf der Verpackung).

PET (Polyethylenterephthalat, Code 1)

PET ist der Standardkunststoff für Getränkeflaschen und Folienverpackungen. Das Pfandsystem für Einwegflaschen erzeugt einen der saubersten Recyclingströme überhaupt. Bottle-to-Bottle-Recycling, die direkte Wiederverwendung als Flaschenmaterial, ist technisch etabliert.

PET-Flakes-Preis: 400-700 €/t

HDPE (Hochdichtes Polyethylen, Code 2)

HDPE findet sich in Shampooflaschen, Eimern, Rohrleitungen und Tragetaschen. Es ist einer der einfacher zu recycelnden Kunststoffe. Aus Recycling-HDPE werden überwiegend Rohre, Gartenmöbel und Außenbereichsprodukte hergestellt.

HDPE-Recyclat-Preis: 500-900 €/t

Polyurethan-Schaum (PU, Code 7)

Der verbreitete Polsterschaumstoff in Möbeln und Matratzen. Chemisches Recycling via Glykolyse ist möglich, aber noch nicht flächendeckend verfügbar. Ältere Schaumstoffe vor ca. 2000 können HBCD (ein inzwischen verbotenes Flammschutzmittel) enthalten, das eine Sonderentsorgung erfordert.

Marktwert: gering bis negativ (Aufbereitungskosten übersteigen oft den Erlös)

Nachwachsende und organische Rohstoffe

Altholz

Holz ist der einzige Baustoff aus nachwachsenden Rohstoffen in dieser Liste. Die Altholzverordnung teilt es in vier Belastungsklassen: A I (naturbelassenes Massivholz) bis A IV (stark schadstoffbelastetes Material wie alte Spanplatten mit hohem Formaldehydgehalt). Unbehandeltes Holz kann zu neuen Holzwerkstoffen verarbeitet werden. Höher belastete Klassen werden thermisch in Biomassekraftwerken verwertet.

Altholzpreis A I: 30-80 €/t | A III/IV: negativ (Entsorgungskosten)

Altpapier

Deutschland recycelt rund 76 % seines Papiers, eine der höchsten Quoten weltweit. Recyclingpapier spart bis zu 60 % Energie und 70 % Wasser gegenüber Frischfaserpapier. Wichtig: Kassenbon-Thermopapier (enthält oft BPA) und beschichtete Kartons gehören nicht ins Altpapier.

Altpapierpreis: 50-120 €/t (kann bei Überangebot zeitweise negativ werden)

Textilien

Naturfasern wie Baumwolle (C6H10O5), Wolle und Leinen sind biologisch abbaubar oder zu Dämmstoffen verarbeitbar. Synthetische Fasern wie Polyester und Nylon sind aktuell kaum recycelbar. Die Getrennterfassung über seriöse Altkleidercontainer ist die wichtigste Voraussetzung für eine Weiterverwertung.

Marktwert: sehr variabel, stark qualitäts- und sortenabhängig

Kompost und Bioabfall

Organische Abfälle aus Küche und Garten enthalten die Nährstoffelemente Stickstoff (N, Ordnungszahl 7), Phosphor (P, Ordnungszahl 15) und Kalium (K, Ordnungszahl 19). Kompostierung oder Vergärung schließt den Nährstoffkreislauf. Besonders Phosphor ist ein endlicher, nicht substituierbarer Rohstoff in der Landwirtschaft.

BGK-zertifizierter Kompostpreis: 10-30 €/t

Übersicht: Marktpreise und Recyclingpotenzial

Wertstoff Symbol / Formel Richtpreis Recyclingquote (DE)
AluminiumAl (Nr. 13)1.000-1.400 €/t (Schrott)>90 %
Stahl/EisenFe (Nr. 26)300-450 €/t~80 %
KupferCu (Nr. 29)6.000-7.500 €/t (Schrott)~95 %
BleiPb (Nr. 82)1.900-2.200 €/t~99 %
NickelNi (Nr. 28)14.000-18.000 €/t~60 %
LithiumLi (Nr. 3)10.000-15.000 €/t<10 % (im Aufbau)
KobaltCo (Nr. 27)25.000-35.000 €/t<15 % (im Aufbau)
Gold (Spuren)Au (Nr. 79)55.000-65.000 €/kg~15-20 % aus E-Schrott
GlasSiO230-70 €/t>83 %
PET-KunststoffC10H8O4400-700 €/t (Flakes)~53 %
AltpapierCellulose50-120 €/t~76 %
Altholz (A I)Cellulose/Lignin30-80 €/t~93 % (energetisch)
KompostN / P / K10-30 €/t~60 % Bioabfall

Preise: Richtwerte Q1 2025, LME und bvse-Preisbarometer. Recyclingquoten: UBA, Eurostat, Branchenverbände.